Driesch # 10: H. L. Handl: Kulturbegegnungen PDF Drucken E-Mail
Über den Verein Kulturvision in Miesbach und dessen Zeitschrift KULTURBEGEGNUNGEN

Besprechung von Haimo L. Handl
 
 

Der Verein Kulturvision in Miesbach, Deutschland, betreibt seit einiger Zeit Schreibseminare, aus der vor ca. eineinhalb Jahren die Schreibwerkstatt hervorgegangen ist, in der Personen unterschiedlicher Berufe, aber mit dem gemeinsamen Interesse am Schreiben, sich zur Arbeit zusammenfinden. Neben anderen Kulturtätigkeiten gibt der Verein die zweimal jährlich erscheinende Zeitschrift KulturBegegnungen“ heraus, redaktionell geleitet von Dr. Monika Gierth. In der Internetseite von kulturvision.de gibt es auch eine Online-Ausgabe, um möglichst aktuell über Veranstaltungen informieren zu können.

 

Jetzt, im Juni, werden von der Schreibwerkstatt die Ergebnisse zu einem Projekt, das von der STADTKULTUR, Netzwerk bayerischer Städte e.V., ausgeschrieben worden war, vorgestellt.

 

Zehn Frauen haben sich beteiligt und zum Thema „Heimat“ ihre Texte verfasst, die gemeinsam besprochen, kritisiert, umgearbeitet wurden. Diese Arbeitsergebnisse werden in einer mit Fotografien illustrierten Ausgabe der edition miesbach veröffentlicht.

 

Die Zeitschrift, deren aktuelle Ausgabe Nr. 17 im Mai erschien, offeriert im Format A3 und Farbdruck verschiedene Artikel, Berichte, Kommentare und Reportagen zur Kultur aus dem Landkreis Miesbach. Die Druckauflage beträgt 20.000 Exemplare. (Etliche Inserate lokaler Firmen und Organisationen helfen sicher finanziell.)

 

Jede Ausgabe hat einen Themenschwerpunkt. Die jüngsten waren „Grenzgänge – Was uns eint und was uns trennt. Spurensuche im Oberen Waldviertel (Nr. 10), 20 Jahre Mauerfall. In den Westen, ohne totgeschossen zu werden (Nr. 11), Respekt (Nr. 15), Begeisterung ist Dünger für das Hirn (Nr. 16), Aufbruch (Nr. 17).

 

Damit wird das breite Spektrum unter Beweis gestellt. Wiederkehrende oder fixe  Rubriken sind „Jugend“, „Künstlerporträts“, „Kulturinitiativen“, „Literatur“, „Kulturbegegnungen“, „Theater“, „Musik“, „Wissenschaft“.

 

Schreibwerkstatt und Zeitschrift erfüllen eine wichtige Basisarbeit, indem die intensive Beschäftigung nicht nur mit lokalpolitischen, historischen oder allgemein kulturellen Themen gepflegt wird, sondern auch die Literatur. Durch das Schreiben wird auch das Lesen gefördert. Und jene, die nicht selbst zum Schreiben finden wollen, geben als aufmerksame Leser jene Resonanz, jenen Widerhall, den jede aktive Kultur braucht, um am Leben bleiben und wachsen zu können.

 

So verstanden bilden die vielfältigen Auseinandersetzungen in Dörfern und Städten nicht eine belächelte, quasi museale Brauchtumsbeschäftigung, sondern eine offene, wache Auseinandersetzung mit dem Leben, dem eigenen und dem fremden. Bildende Kunst, Musik, Fotografie, Literatur, Brauchtum, Länder und Sitten finden Beachtung und Ausdruck. Es wird auch eine Vermittlungsarbeit zwischen den Generationen geleistet; alt und jung werden nicht abgegrenzt oder gegeneinander ausgespielt.

 

Ich lese von einem Atelierbesuch beim Maler Hans Weidinger, einen politischen Artikel „Das Bedingungslose Grundeinkommen – ein Kulturimpuls“, Beiträge über den Jazztrompeter Julian Hesse, die Valleyer Musikerin Agnes Schlaghaufer (Singen als Meditation), finde Überlegungen „Von Models und Existenzbedrohungen“, den Hinweis zu einem Jazz-Wettbewerb Holzkirchen, ein Porträt des Bildhauers Andreas Kuhnlein, ein Gespräch über Musik mit dem musizierenden Physiker Michael Pfitzner und dem Yoga praktizierenden Musiklehrer Reinhard Klamet, einen Beitrag über den Fotografen Erwin Lanzensberger, Beiträge zu „Literatur & Bildung“, ein regionales Programmkino, das Team-Theater, die bildnerische Interpretation von Gedichten Günther Eichs,  und, schließlich, einen Bericht zu Projekten der Schreibwerkstatt „Heimat aus unserer Sicht“.

 

Diese Fülle und Vielfalt macht staunen.

 

Von der edition miesbach liegt mir die erste Ausgabe (2011) vor: „Leopoldine. Im Querformat 155 x 220 mm und auf 32 Seiten, farbig illustriert mit Fotografien von Isabella Krobisch, wird von Monika Gierth eine Hommage der Bäuerin Leopoldine Litschauer geboten.

 

Alles in allem sehr ansprechend, neugierig machend, vielversprechend. Man wünschte sich mehr solcher Initiativen!

 


 

edition miesbach

Bergwerkstr. 25e, D-83714 Miesbach

 

KulturBegegnungen.

Redaktion: Dr. Monika Gierth, Reitham 14, D-83622 Warngau

 

KulturVision e. V.  www.kulturvision.de

 
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