# 11: Handl: Krautgarten PDF Drucken E-Mail
Porträt der belgischen deutschsprachigen Zeitschrift KRAUTGARTEN
 

Haimo L. Handl

KRAUTGARTEN

Die neueste Ausgabe der belgischen, deutschsprachigen Zeitschrift KRAUTGARTEN – Forum für junge Literatur, die halbjährlich im Format A4 erscheint, ist die Nummer 60. Die Zeitschrift erscheint also seit 30 Jahren.  

 

Neben den regulären literarischen Beiträgen oft namhafter, bekannter Autoren, wird ca. ein Drittel des Umfangs dem sogenannten „Journal“ gewidmet mit Berichten, Rezensionen, Porträts von Schriftstellern oder Künstlern, Kommentaren zum kulturellen und politischen Leben. Farbabbildungen von ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern illustrieren die freundlich gestaltete Zeitschrift. Der Umfang für das vorliegende Heft beträgt 88 Seiten; es sind Autoren aus Belgien, Deutschland, Österreich, Luxembourg und Niederlande vertreten.

 

KRAUTGARTEN publiziert auch eine edition; lieferbar sind Titel von 1985 aufwärts in Preisen von Euro 10,00 bis Euro 24,00 (z. B. „Völkerfrei. 25 Jahre KRAUTGARTEN. Ein Lesebuch, 2007).

 

Ähnlich dem Titel dieses Lesebuchs bestimmt sich die Ausrichtung und Philosophie der Zeitschrift: Völkerverständigung, Austausch, grenzüberschreitender geistiger Verkehr, Engagement. Beiträge von Autorinnen und Autoren aus Nord & Süd, Ost & West, werden übersetzt, wenn sie nicht auf deutsch verfasst wurden.

 

Die Zeitschrift wird von belgischen, französischen, luxembourgischen und österreichischen staatlichen Stellen unterstützt sowie von einigen Unternehmen. Neben dem Herausgeber Bruno Kartheuser arbeiten Leo Gillessen, Alfred Strasser, Alessandra Kartheuser, Dirk Müller und Klaus Wiegerling in der Redaktion.

 

„Statt eines Editorials und Festartikels“ schreibt der Herausgeber in der Jubiläumsnummer zu „30 Jahre Krautgarten: Scheinbare Umwege“. Darin wird die Unterstützung des jetzigen französischen Präsidenten François Hollande erwähnt, über schwierige Forschungsarbeiten zur lokalen Nazivergangenheit in Tulle und Oradour berichtet sowie die Bemühungen, überregionale Unterstützungen zu finden und zu stärken, um weiter erfolgreich publizieren zu können. Die Problematik scheint gleich wie in vielen anderen Ländern auch: “Noch im März durften wir diese Stilblüte aus der Feder der Kulturministerin lesen: ‚Leider entspricht der Krautgarten aktuell nicht den in diesem Dekret für diese Kulturorganisationen vorgesehenen Mindestanforderungen.’ Und doch darf die jetzige systematische Arbeit an einem ‚Kulturdekret’ – nach dreißig Jahren Gefälligkeitspolitik und Wurstelei – als ein tröstliches Signal gewertet werden: die Regierung wagt den Übergang zu einer geregelten und transparenten Kulturpolitik.“

Der Schlussabsatz der zweiseitigen Betrachtung des Herausgebers, Rückblick und Ausblick in einem, lautet: „Zum Glück haben wir uns neues Wurzelwerk und Verankerung außerhalb gesichert. Vor Ort ging es uns stets darum, der Emanzipation den Rücken zu stärken, den ideologischen und völkischen Gleichschritt zu stören, der kulturellen Selbstbetätigung und Farbigkeit das Wort zu reden, dem kleinen Gefüge Sauerstoff, Horizont und Brotvermehrung durch den internationalen Konnex zu verschaffen.“

 

In einem wieder nationalistischer werdenden Europa kann und darf die Bedeutung von offenen Einrichtungen wie dem KRAUTGARTEN (oder, ganz unbescheiden bemerkt, unserer Zeitschrift DRIESCH) nicht überschätzt werden. Die Auseinandersetzung mit Kulturschaffenden über den lokalen oder regionalen Bereich hinaus ist unabdingbar für eine lebendige Kreativität, für ein fundiertes Verständnis der Komplexität unserer Welt.

 

KRAUTGARTEN
Forum für junge Literatur
Postfach 42
B-4780 St. Vith

Verantwortlicher Herausgeber: Bruno Kartheuser
www.krautgarten.be

Das Abonnement kostet für 4 Ausgaben – 2 Jahre Euro 32,00; Einzelhefte Euro 10,00


 
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