Besprechung der Präsentation "Brandung" PDF Drucken E-Mail
Klaus Ebner, Autor & Übersetzer, besprach gleich nach der Präsentaton unserer Ausgbe # 14, "Brandung", die Veranstaltung. Der Text ist in seiner Internetseite zu finden bzw. weiter unten wiedergegeben:
 
 
 
 

Lesungsnotizen

Bezirksmuseum Mariahilf, Wien 28. Juni 2013

Ich war tatsächlich noch nie in einem Bezirksmuseum. Dass diese Lesung nun in einem solchen stattfand, war ein mehrfach lohnender Zufall. Haimo L. Handl und sein Driesch-Verlag hatten zur Präsentation der neuen Nummer der Literaturzeitschrift Driesch geladen. Neben Christl Greller und Leni Nusko durfte auch ich ein paar Stücke zum Besten geben. Während meine beiden Kolleginnen ihre eigenen Gedichte vortrugen, las ich Lyrik der katalanischen Autorin Sílvia Bel Fransi, deren Gedichte ich für die Zeitschrift übersetzt hatte.

Die Einleitung übernahm natürlich Haimo L. Handl, der – gewohnt wortgewaltig – die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift vorstellte. Diese befindet sich immerhin schon in ihrem vierten Jahr, und sie scheint immer dicker zu werden: Nummer 14 hat bereits 220 Seiten. Das macht aus der Literaturzeitschrift, die Driesch eigentlich ist, ein kleines Buch.

Auch für musikalische Unterhaltung war gesorgt, durch den Gitarristen Manfred Spehn, und das war eine weitere positive Überraschung dieses Abends. Ehrlich gesagt, ich bin immer wieder erstaunt, wie viele exzellente Musiker es in Wien und den Bundesländern gibt (denn Manfred kommt aus Drösing im nördlichen Niederösterreich, demselben Ort, in dem auch Haimo L. Handl seinen Wohnsitz hat), und bedaure gleichzeitig, dass diese nicht auch zu den ganz Bekannten gehören, denn sie hätten es so sehr verdient.

Aber zurück zu den literarischen Lesungen. Leni Nusko machte den Anfang und las ihre Gedichte aus der Driesch-Nummer, die miniaturen am meer. Das sind Gedichte, die man nicht einfach nebenbei »hinunterschlucken« sollte; das sind Gedichte, die Raum benötigen, die man ganz langsam genießen sollte, die Zeit zum Nachdenken einfordern. Ich bin sehr froh, dass ich sie in der Literaturzeitschrift in Ruhe nachlesen kann, und hoffe, dass auch das Publikum des Literaturabends von dieser Möglichkeit Gebrauch macht.

Nach einem Musikstück war ich an der Reihe. Einleitend erzählte ich ein wenig über die Autorin, Sílvia Bel, ihren Werdegang und ihre literarischen Arbeiten. Um die Sache zu illustrieren – und vielleicht auch, um zu verdeutlichen, dass sozusagen diesmal ich nicht ich war – lud ich ein Foto von Sílvia auf mein iPad und setzte dieses gut sichtbar für das Publikum auf den Vortragstisch. Dann stellte ich die Gedichte vor, in meiner deutschen Übersetzung sowie zwei auf Katalanisch, um einen Einblick in den Klang des Originals zu bieten. Beim Publikum kam das ausgezeichnet an – was ich natürlich erst nachher erfuhr, als wir uns bei einem kleinen Buffet unterhielten und ich mehrmals auf meine Darbietung angesprochen wurde. Sílvia hat ihre Gedichte in ihrem ersten Lyrikband L'Esbós (Die Skizze) veröffentlicht, und die Übersetzungen finden sich in Driesch Nr. 13 und Nr. 14.

Als Dritte im Bunde las Christl Greller ihre sieben Eissee-Gedichte und gab dem Publikum jedes Mal ein Rätsel zu lösen, da der so besungene See nämlich erraten werden sollte. Zum Glück waren ein paar Leute da, die in der österreichischen Seengeografie mit Abstand besser bewandert sind als ich. Da ging es in lyrischer Form um den Wörther See, den Neusiedler See und sogar die Alte Donau. Doch Christl Greller beschrieb auch ein kleines Gewässer, eigentlich einen Teich in der Nähe des Lainzer Tierparks, dessen Namen ich noch nie gehört hatte.

Weil ausreichend Zeit blieb, setzte Haimo L. Handl noch eins drauf und trug einen Text von Friedrich Nietzsche vor, der in der Rubrik Ausgrabungen/Excavations von Driesch abgedruckt ist. Es geht um eine Brandung – das Thema von Nr. 14 –, aber und vor allem um die Wirkung der Frau aus der Distanz.

Nach den Lesungen und dem abschließenden Gitarrenstück von Manfred Spehn lockten mich die Exponate des Bezirksmuseums, zwischen denen unsere Stühle standen. Besonders hatte es mir ein vier bis sechs Quadratmeter großes Modell des Stadtteils um die Magdalenenstraße von vor über zweihundert Jahren angetan. Auch an diesem Modell entzündete sich ein Gespräch mit einem Lesungsgast, und so wurde ein Bogen von der Literatur zur Geschichte dieser Stadt gespannt. Irgendwann im Laufe der Gespräche und Betrachtungen wurde mir klar, dass dies keineswegs mein letzter Besuch in einem Bezirksmuseum gewesen sein wird.

Zum Abschluss entlockte ich Haimo noch ein Rezensionsexemplar des jüngsten Sammelbandes seiner geistreichen, mitunter recht bissigen, aber niemals ums richtige Wort verlegenen Sonntagskolumnen. Die Rezension gibt es demnächst ...

 

 
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