Rezension von Helmuth Schönauer

Sprachzeichen

Schreiben ist an manchen Tagen wie Fliesen legen, du musst die Fiktionsteile mit der Realität in Verbindung bringen und gleichzeitig die Fugen zwischen den Segmenten der Vorstellung ausfüllen.
Peter Paul Wiplinger hat sein Schreiben ein Leben lang essayistisch kommentiert. Zum einen deshalb, weil er sich über sein Schaffen in einer Metasprache Klarheit verschaffen wollte, zum anderen, weil er als politischer Schriftsteller immer mit den gesellschaftlichen Facts in Verbindung treten musste.

Unter dem Titel Sprachzeichen versammelt der Autor im vorderen Teil die diversen Anlass-Arbeiten, die für literarische Tagungen, Symposien oder politische Aktionen als Essays angefallen sind. Appelle, Aufrufe, Resolutionen sind genauso dokumentiert wie literaturspezifische Themen, etwa: Tiere in Gedichten. Viele der Anlässe sind längst in Vergessenheit geraten, die Botschaften freilich sind ungebrochen frech. Es geht um die Einforderung von Humanität, Furchtlosigkeit in politischen Entscheidungen und an den Appell an die Kollegenschaft, das eigene Rückgrat nicht ständig zu verschmeißen. Manche Essays sind zu grundsätzlichen Leitartikeln ausformuliert, etwa die Zusammenfassung der Slowenen- ­ver­treibung in Österreich.

In die offiziellen Texte sind manchmal auch persönliche Liebenswürdigkeiten eingeschleust, etwa das Porträt des feinen Menschen Alois Vogel, dessen Porträt unter dem Begriff „Das Maß des Menschlichen" herausgearbeitet ist.
Im zweiten Teil der Sprachzeichen ist Prosa zusammengetragen, teils entstanden neben der Arbeit an großen Projekten, teils als fiktionale Kleinodien gestaltet während der Aufenthalte in allen Kulturzentren Europas. Gegen den Frust des literarischen Alltags hat Peter Paul Wiplinger 1974 sogar ein Ich-Manifest verfasst.

„Wieder Tage, an denen ich hin- und hergerissen wurde; an denen ich mich hin- und herreißen ließ. Ich habe sie satt: diese Scheingefechte mit halben Wahrheiten und verschleierter Wirklichkeit. Ich habe es satt dieses ‚Ich meine es ehrlich‘ und ‚So ist es, so war es wirklich‘`.[...] Ich hasse es und werde es nicht mehr zulassen, dass mich Menschen berühren wie einen Gegenstand. Ich werde ein Messer sein, an dem sie sich schneiden; oder eine Glasscherbe." (195)

Manche Beiträge können durchaus als Schule des Sehens und Empfindens bewertet werden, so kommt ein Flecken scheinbar unauffälliger Erde zur großen Ehre, dass an ihm die sogenannte Flächenverschneidung einer Landschaft ausgemessen wird.
Die Texte sind im Verlaufe von gut vierzig Jahren entstanden, bemerkenswert dabei ist, dass sich der Stil in dieser Zeit kaum verändert hat. An den Themen kann man manchmal erkennen, wie damals der Zeitgeist getickt hat. Die Sprachzeichen an und für sich sind zeitlos, klar, „fiktional-pragmatisch".

Peter Paul Wiplinger: Sprachzeichen. Essays und Prosa.
Gosau: arovell 2011. 279 Seiten. ISBN 978-3-902547-39-2

Peter Paul Wiplinger, geb. 1939 in Haslach, Gymnasium in Hall in Tirol, lebt in Wien.