Driesch # 13: Frost
thumb_driesch_13_frost_titel_rgb600Driesch 4. Jahrgang 2013, # 13: Frost / chill, freeze
 
Redaktionsschluss/deadline for submissions: 28.1.2013
Erscheint/appears 5. April 2013
 

Präsentation am Freitag, 5. April 2013, 19 h im WERKL im Goethehof,

Schüttaustr. 1, 1220 Wien (U1 Station VIC, Kaisermühlen)
mit Michaela Davin, Axel Karner, Annemarie Rieder, Silvia Waltl

 

frost_vidtn Den vierten Jahrgang 2013 beginnen wir mit einer neuen Umschlaggestaltung: jedes der vier Hefte wird ein Bild des niederösterreichischen Künstlers Günther Gross zeigen.
  
Bei einem Büchertisch können Sie nicht nur die neue Zeitschrift erwerben, sondern auch andere unserer Publikationen!
 
Eintritt frei, Spenden erbeten. 
 
Wir danken dem WERKL für die Gastfreundschaft!
 
 
 

preface:


"bratäpfelschwer hängt uns der himmel
spätabends ins kompottgestöber…"
 
Metaphernschwerer Lyrikbehang schmückt das Prosa-Geäst des "Frost"-Bandes. Das Zusammentreffen des vorgegebenen Themas mit den ergiebigen Schneefällen im vergangenen Winter hat für poetische Inspiration gesorgt. Voll Sprachbildreichtum, stimmungsvoll und gleichzeitig mit einem Schuss hochprozentiker Satire und surreal-humorvoller Würze, wie den Spinnen auf dem Drehknopf des Radios, die dauernd den Sender verstellen, glänzen die Gedichte, knapp drei Dutzend an der Zahl. Zu viermal chinesischer Dichtkunst aus Shanghai gesellt sich diesmal eine fernöstliche Perle aus dem Weinviertel. Die chinesische Poetin Li Lin lässt ihre Gedanken unter dem Titel "Eisscholle" wie eine solche auf dem ruhigen tiefen Wasser, das dieser Schreibart zu eigen ist, dahintreiben und im Schlusswort "für immer" ankommen. Katalanisch, chinesisch, englisch und deutsch ist der poetische Vierklang verfasst und außerhalb des anglo-germanen Sprachbereichs auch zweisprachig abgedruckt.

Wird es ein Lyrik-Band werden? Eine Zeitlang sah es fast so aus, aber die "prosaische" Mannschaft holte schreibkräftig auf. In Titeln stand es schließlich nur noch 36:24, gekürzt also 3:2 für die Lyrik, und da sind die excavations, die Essays und die diesmal recht zahlreichen Rezensionen noch gar nicht mitgezählt. Wesentlich ausgeglichener als das Nonnen-Fußballmatch, von dem René Oberholzer in seiner Satire "Das Viertelfinale" zu berichten weiß. Insgesamt haben uns die AutorInnen also eine sehr ausgewogene Mischung beschert, wobei die Prosatexte das interkulturelle Bild noch erheblich bereichern. Ein Märchen - orientalisch-aserbeidschanisch inspiriert und nicht von näher denn aus Baku - trägt zur Würdigung des Brüder-Grimm-Jahres bei.

Aus Georgien, aus Tschechien, aus Norwegen, der Schweiz und…und… sind Beiträge eingelangt, die von Frost im engeren und weiteren Sinn berichten. Von erkalteten Vater-Tochter-Beziehungen wird erzählt, die Frage, ob Väterchen Frost Kommunist ist, wird erörtert, Romanauszüge mit zeitgeschichtlichem Hintergrund reihen sich an kurzweilige Anekdoten. Humor und Tragik, Satire, Tragödie, Besinnlichkeit, Information und Abhandlung, …unsere Autoren sind auf allen Meeren zu Hause, sogar wenn sie zugefroren sein sollten. Und: 29 der 66 der Autor_innen und Künstler_innen sind zum ersten Mal in unserer Zeitschrift vertreten. Die Drieschgebiete werden immer fruchtbarer!

Kann einem eine Gefängniszelle drohen, wenn man tankt, obwohl der Treibstoff fast am Ende ist? Sie erfahren es in "Eiskalt erwischt", einer Anekdote von Margit Heumann. Wie geht es nach einer Freilassung aus dem Gefängnis durch Begnadigung weiter? Maria Hammerich-Maier erzählt es in einem Tage-Countdown nach einer wahren Begebenheit. Kann Frau zur Mohnkapsel werden, wenn Vater alt wird? Heide Breuer gibt Auskunft darüber. "Das Glatteis war schuld. …Ich meiner Liebe …entbunden". Die Erzählung, die so endet, trägt den schlichten Titel "Es ist kalt".

Szenen aus dem nächtlichen Wien führen an wiedererkennbare Schauplätze und zu Melodien wie dem Hodina-Lied "Herrgott aus Stan". In einem Text von Maike Frie können Sie einer alten Frau begegnen, die "auch einmal eine Frau mit roten Schuhen gewesen" ist, und sich ein Bild davon machen, was das bedeutet. Sex zwischen Frauen, dass "die Flocken schmelzen" lässt sich auch durch Eis und Schnee nicht bremsen - jedenfalls will uns die "Winterliebe" von K. Rick das glauben machen.

Trotz frostigen Themas und beinhartgefrorener Erde allüberland ließ sich wieder eine Ausgrabung bewerkstelligen. Oskar Loerke und seine Ausführungen "Von der modernen Lyrik (1912)" wurde zu Tage gefördert. "Heute ist die Erleichterung zur äußeren Erschwerung geworden". Hat Loerke das Internet vorhergesehen? Er bejubelt einen Fortschritt, den er gleichzeitig als nicht, oder nur in Paradoxien zu bewältigen sieht. Alle, die Poeten sein wollen, mahnt er, die Sprache nicht durch Jargon zu ersetzen. "Wenn man in einer Ode auf eine Postkutsche statt Postkutsche immer Aeroplan einsetzt und statt trabte flog sagt, so wird das Endergebnis doch wieder eine Postkutschenode sein." Man beachte das Datum.

Ein halbes Dutzend Rezensionen ist es diesmal, das wir quasi als "Dienst am Leser" bereitstellen, dazu einen Auszug aus dem Buch "Die Mafia in Prag" von Michael Viehweg. Zum Politthriller gibt es einen ausführlichen Kommentar von Maria Hammerich-Maier, die dem Leser den Erfolgsautor ausführlich in biografischen Daten, mit zeitgeschichtlichen Bezügen und mit präziser Analyse seines schriftstellerischen Handwerks und Hinweisen auf seine umfangreiche Bibliografie nahe bringt.

Nicht zuletzt zollen wir der gegenwärtigen Kulturhauptstadt literarischen Tribut und haben einen Essay von Prof. Dušan Šimko zu Kaschau/Kosiče in den Band aufgenommen. Was noch zu erwähnen wäre? Jede Menge, aber wir gestehen unserer Leserschaft volle Literaturgenuss-Autonomie zu und wollen weder Entdeckerfreude noch ungesteuerte Beweglichkeit im Inhalt beeinträchtigen. Ganz im Gegenteil: viel Spaß beim Weg durch einen geordneten Dschungel!

Franz Blaha

 
 

Inhaltsverzeichnis:

Silvia Waltl: nacht stillt / herbstversprengungen

Margit Heumann: Eiskalt erwischt

René Oberholzer: Das Viertelfinale

Leni Nusko: laurenzgasse

Julia Lajta-Novak: Wiener Haikus

Li Lin: Eisscholle, chinesisch/deutsch

Cao Nai Yun: 4 Frostgedichte, chinesisch/deutsch

Ilse Krüger-Sklenicka: die zeit der gemütlichkeit

Artur Rosenstern: War Väterchen Frost Kommunist?

Doris Fürk-Hochradl: Weggeworfen?

Kahtrin B. Külow: zugVögel, luftfrost

Wolfgang Straßnig: Zwei Gedichte

Maria Hammerich-Maier: Gnade!

Silvia Bel: Drei Gedichte, katalanisch/deutsch

Stephen Cuthbertson: 4 poems (englisch)

Rudolf Kraus: neujahr / herbstzeit

Barbara Holpfer: schnee

Heide Breuer: Das Innere der Mohnkapsel

René Bauer: Unzufrieden

Daniela Dangl: Es ist kalt

Micha Fuchs: Winterszene

Maike Frie: Elenor

Karin Rick: Winterliebe

Andreas Glanz: Eisig

Herbert Eigner: Frostnotizen

Axel Görlach: auto.pilot / herbstend.park

Gabriele Frings: im grunde / november

Tengis Khachapuridse: Es lebe Quasimodo

Harald Jöllinger: Glatzkopfs Warten

Christian Karner-Schwetz: Status: Eingeschneit

Martin Auer: Aus den Häusern

Beppo Beyerl: Dobersberg, Februar

Nicole Makarewicz: Nebenan

Annemarie Rieder: Frostiges Schweigen

Maria Hammerich-Maier: Politthriller mit dem Prädikat „frostbeständig“ – Michal Viewegh

Michael Viewegh: Auszug aus „Der Frost kommt von der Burg“

Karin Seidner: Umstände

Margit Heumann: Innere Eiszeit

Michaela Davin: Mystery (englisch)

Wolfgang Christl: Linie 171

Axel Karner: die zunge getrocknet

Simon Konttas: Verbindungen

Rüdiger Saß: Ordo

Sajid Husain: A single piece of legacy

Анри Е: Сестры / Anri E: Schwestern (russisch/deutsch)

Vougar Aslanov: Das vierzigste Zimmer

Excavations:

Saint-Simon: Extrait des Mémoires / Aus den memoiren (1709, französisch/deutsch)

Alexander Lange Kielland: Sne (1886) / Schnee (1889) norwegisch/deutsch

Oskar Loerke: Oskar Loerke: Von der modernen Lyrik (1912)

Essai:

Dušan Šimko: Kaschauer Lesebuch. Košice – Kulturhauptstadt Europas 2013

Recensions:

Maria Hammer-Maier: Zu Jean Pauls 250. Geburtstag

Paula Resch: Höhen mit Tiefen. Zu Harald Schwinger

Mario Karl Hladicz: Es wäre schon, kein Schriftsteller zu sein. Zu Gerhard Amanshauser

Franz Blaha: Drei S. Zu Eva Jancak .

Gabriele Folz-Friedl: Wichtelgasse. Zu Manfred Chobot

Monika Gierth: Nicht im Abseits. Haimo Handls Kulturkolumnen 

Gustav Schwedinger: Der rosarote Balkon. Zu Axel Karner  

Haimo L. Handl: Zum Schreiben in vielen Sprachen nach Marlis Lami


 

Umschlag nach einem Bild von Günther Gross.

Bilder von Frederike Aiello, Franz Blaha, Manfred Chobot, Wolfgang Christl, Helga Cmelka, Eckholz, Roland H. Handl, Heide Haßkerl, Thomas Hofmann, Ruth Trinkler, Nikolaus Walter, Peter Paul Wiplinger

Übersetzungen von Klaus Ebner aus dem Katalanischen, Maria Hammerich-Maier aus dem Tschechischen, Elisabeth Namdar-Pucher aus dem Russischen, Ka Ruhdorfer aus dem Französischen, Helena Stanek und Thomas Tkadletz aus dem Chinesischen

 
 

(Zu Beginn eines Jahrgangs werden jedem Themenheft Anregungen in Wort und Bild angeführt; damit diese nicht verloren gehen, belassen wir sie auf vielfachen Wunsch in der Seite.) 

 

Einige Notizen:

 
Frost
Eintrag Wikipedia


Raureif

Bodenfrost

Luftfrost

Weißer Frost

Schwarzer Frost

Frosteinbruch

Nachfrost

Frühfrost

Spätfrost

Frostlage

Dauerfrost
 
Ewiger Frost

Väterchen Frost
 
frostige Zeiten
 
soziale Kälte
 
Frost Fair

The Great Frost (London December 5th 1607 - February 14, 1608)

River Thames frost fairs
 
Robert Frost (1874-1963)
 
Frost als politischer Begriff: Eiszeit, Systemerstarrung, das Gegenteil: (politisches) Tauwetter
 
Kalter Krieg

"A long farewell to all my greatness" - Aus: Shakespeares "Henry The Eighth"

Wolsey:
So farewell—to the little good you bear me.
Farewell? a long farewell to all my greatness!
This is the state of man: to-day he puts forth
The tender leaves of hopes, to-morrow blossoms,
And bears his blushing honors thick upon him;
The third day comes a frost, a killing frost,
And when he thinks, good easy man, full surely
His greatness is a-ripening, nips his root,
And then he falls as I do.

Read comment here!
 
 
Väterchen Frost - Russisches Volksmärchen

 

Jakutien: Zu Gast im Eispalast von Väterchen Frost und bei Schamanen

 
 
 
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