Driesch # 17: Hoffnung
thumb_17-hoffnung-vorderumschlag_webDriesch Ausgabe # 17, März 2014: Hoffnung / hope
plus: Dossier Karl Kraus
ISBN 978-3-902787-15-6
 
Präsentation und Lesung am Freitag, 28. März 2014, 19 Uhr
im WERKL im Goethehof, Schüttaustr. 1, 1220 Wien

Es lesen Regine Koth Afzelius, Olaf Lahayne, Nicole Makarewicz und Karin Peschka.
Auf der Gitarre spielt Manfred Spehn.


Vorwort

Hoffnung ist ein Dauerthema. Das zu bemerken wäre banal, wenn nicht doch Hoffnung immer wieder als Außergewöhnliches, Besonderes herausgestrichen würde. Aber allein zu leben heißt schon, der Hoffnung folgen. Zwar leben viele ohne Hoffnung, aber nur aufgrund einer Schwäche. Die andern, die sich ins Leben schicken, bestätigen eine Hoffnung, pflegen Erwartungen. Davon handeln die Texte dieser Ausgabe. In den Ausgrabungen bringen wir einen kurzen, aber gewichtigen Text von Nietzsche, der die ganz andere Seite der Hoffnung beleuchtet, und einen aus der Autobiographie von Nadeschda Mandelstam.

Das Dossier zu Karl Kraus schließlich offeriert Essays zum immer noch umstrittenen Sprachkritiker von Alfred Pfabigan, Wien, Josef Rodr, Tschechien, Maria Hammerich-Maier, Prag,  die auch Rodrs Text übersetzt hat, und Dominik Riedo, Schweiz. Bereichert werden diese Beiträge durch den Text „Stil“ von Karl Kraus aus dem Jahr 1909. Wir haben dieses Dossier ergänzt durch die Ausgabe unserer REIHE # 4, Karl Kraus: Heine, in welcher wir seine Heine-Aufsätze bringen. Das Heft im Umfang von 48 Seiten kann um € 5,00 erworben werden.

Zur Redaktion:
Maria Hammerich-Maier scheidet aus beruflichen Termingründen aus der Redaktion, bleibt uns aber als Autorin und Übersetzerin erhalten. Sie wird weiter ihre Beiträge liefern. Wir sind froh und dankbar für ihre eigenen Texte als auch die wichtige, grenzüberschreitende Vermittlungsarbeit durch ihre fundierten Übersetzungen. die unsere Arbeit bereichert.
Haimo L. Handl

 

Inhaltsverzeichnis                                                         

Vorwort

Peter Hodina: Deren Vergeblichkeit ist meine Hoffnung

Regine Koth Afzelius: Lichtblick Chimäre

Sonja Bachmayer: Fotografie

Nicole Makarewicz: Lebenslang

Peter Schwendele: Kleine Flucht

Nicole Mahal: Drachensteigen

Romana Hostnig: Bild

Olaf Lahayne: Auf Pilgerfahrt

Gabriele Folz-Friedl: Der Brief aus dem Urwald

Doris Fürk-Hochradl: Zeitgesichter

Margit Heumann: Hoffnung zu Asche

Wolfgang Christl: Fotografie

Karin Peschka: Vor dem Wind

Lisa Ndokwu: Die Länge des Cellos

Friederike Stein: Windzeit

Frederike Aiello: Fotografie

Elfie Resch: Das Ende der Angst

Eckholz: Cartoon

Peter Schwendele: Der Bootmann

Manfred Chobot: Fluchtpunkt zur Donau

Romana Hostnig: Bild

Louis Christian Wolff: Hoffnungslos heiter

Romana Hostnig: Bild

Holger Dauer: Berlin am Morgen

Wolfgang Wurm: Ich und eine Insel

Christian Schwetz: Hollodorolloyiepiediepygulliöh

Johannes Tosin: Vor dem Regen / Spielzeugmännchen

Ilse Krüger-Sklenicka: 2 Gedichte

Rudol Kraus: blau

Romana Hostnig: Der Unterschied

Caio Nai Yun: 4 Gedichte übersetzt von Helena Stanek-Neuwirth

Frederike Aiello: Fotografie

essai:

Hans Durrer: Von der Hoffnung, meiner Feindin

Wolfgang Christl: Fotografie

excavations:

Friedrich Nietzsche: Die Hoffnung

Nadeschda Mandelstam: Hoffnung

recensions:

Martin Winter: Yang Lians Konzentrische Kreise

Maria Hammerich-Maier: Der Ton macht die Musik – Leoš Janáček

Manfred Chobot: Kann Lesen zur Droge werden? – Helmut Rizy

Haimo L. Handl: Moderne Poesie in der Schweiz

Amina El Rachidi: Zeichnung

Dossier Karl Kraus:

Karl Kraus: Man frage nicht

Karl Kraus: Stil

Dominik Riedo: Vor dem Endsieg der Welthirnjauche

Wilhelm Schramm: Graphik

Alfred Pfabigan: Karl Kraus und der Krieg – eine Entwicklung

Wilhelm Schramm: Graphik

Maria Hammerich-Maier: Die Untiefen des Adlerflusses.

Wilhelm Schramm: Graphik

Josef Rodr: Marsmenschen, Molche & Co.

Wilhelm Schramm: Graphik

Kurzbiographien der Autorinnen und Autoren

 


Verzeichnis der Autorinnen und Autoren

 

Frederike Aiello, * 1958, lebt in Hard/Vbg. als freie Fotografin, absolvierte im Juni 2011 die Meisterprüfung und ist Mitglied der österreichischen Berufsfotografen. http://frederikeaiello.com

Sonja Bachmayer,  Sonja Bachmayer, * 1960 in Ybbs an der Donau, Niederösterreich. Matura in der traurigsten Stadt Niederösterreichs (jetzt Landeshauptstadt); danach in östliche Richtung verzogen und Studium der Ethnologie an der Universität Wien (ohne Abschluss) der Liebe wegen,  Bauernhof gepachtet, Schafe gezüchtet, Ziegenkäse hergestellt, Kunsthandwerk verkauft; Rückkehr in die Hauptstadt und Aufzucht von Zwillingen. Seit 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Suchtforschung im Anton Proksch Institut, 2008 Anschaffung einer digitalen Spiegelreflexkamera, 2009 kurzfristige Ausbildung an der Prager Fotoschule in Kefermarkt, Oberösterreich, 2012 Abschluss des 4-semstrigen Lehrgangs für Fotografie an der Fotoschule Wien, seit 2012 Gewerbe Pressefotografie (siehe Jüdisches Museum Wien, Anton Proksch Institut, HMBC....), seit 2013 Mitglied der IG Bildende Kunst
Kontakt: www.somoflo.at; http://ikarus711.wordpress.com 

Cao Nai Yun, Univ.Prof.Dr., * 1945 in der Provinz Jiang Su, China; Professor für Germanistik an der Pädagogischen Universität Hua Dong, Shanghai, Mitglied des Schriftstellerverbandes China. Arbeitet als Übersetzer und Herausgeber klassischer und zeitgenössischer deutscher Literatur: Seit 2005 pensioniert; lebt in Wiener Neudorf bei Wien und Shanghai.


Manfred Chobot, * 1947 in Wien. Studium der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft. Von 1991 bis 2004 Herausgeber der Reihe "Lyrik aus Österreich". Redakteur der Literaturzeitschrift "Podium" (1992 bis 1999) und "Das Gedicht" (1999 bis 2002). Zahlreiche Hörspiele und Feature sowie Fotoausstellungen. Vorstandsmitglied der GAV, der IG-AutorInnen und der europäischen Autorenvereinigung "Die Kogge". Ausgezeichnet u.a. mit dem Literaturpreis des Landes Burgenland 2006 und dem BEWAG-Literaturpreis 2007. Zahlreiche Buchveröffentlichungen und Beiträge in Anthologien und Literaturzeitschriften. Jüngste Publikation: Straßen des vergänglichen Ruhms – Dichter auf dem Wiener Stadtplan (mit Mit Beppo Beyerl), Löcker, Wien 2014. www.chobot.at


Wolfgang Christl, * in Passau. Seit vielen Jahren in München wohnhaft. Mit dem Verfassen von Texten vor etwa 10 Jahren begonnen. Diese entstehen hauptsächlich auf Wanderungen und Reisen und sind in einigen Anthologien und Zeitschriften erschienen. www.christl-muenchen.de


Holger Dauer, *1961, seit 2001 Online-Redakteur bei „3sat", daneben freier Autor und Literaturkritiker. Herausgeber des Literatur-Info-Portals „TourLiteratur" (www.tour-literatur.de). Veröffentlichungen von Kurzgeschichten und Gedichten in Anthologien und Literaturzeitschriften, etwa im „Dichtungsring" (Bonn), in „Der Dreischneuß" (Lübeck), „Keine Delikatessen" (Wien), „um[laut]" (Köln), „etcetera" (St. Pölten), „Lost Voices - El Vau" (Hannover), „Asphaltspuren" (Düsseldorf) u.a. Lebt in Rheinhessen in der Nähe von Mainz. Jüngste Veröffentlichungen: Der Riese stirbt oder: Zornige Gedanken beim Träumen über das Fällen des letzten Baumes im Wald  [Kurzprosa]. In: um[laut]. junge kunst. politische kunst. mindestens (Köln), Heft 4 / April/Mai/Juni 2009; Frühstück. Eine Farce [Einakter]. In: Literamus (Trier) Bd. 35 (2009), hrsg. v. Hans Greis u. Erwin Otto (Literarisch- Musische Gesellschaft Trier - WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier). www.holger-dauer.de


Hans Durrer, * 1953 in Grabs, Schweiz. arbeitet als Dolmetscher, Zwölf-Schritte Therapeut und Essayist; zuletzt sind von ihm erschienen: Inszenierte Wahrheiten: Essays über Fotografie und Medien (Rüegger Verlag, Glarus/Chur, 2011) und Framing the World: Photography, Propaganda & the Media (Alondra Press, Houston, 2011). www.hansdurrer.com


Eckholz,  bürgerlich Sven Kruscha, wurde 1978 im Sächsischen Werdau, damals DDR, Bezirk Karl-Marx-Stadt, geboren. Lebt seit 1984 in Gera/Thüringen. 1996-1999 folgte erfolgreich Ausbildung zum Gartenbaufachwerker in Chemnitz -Einsiedel. Nach mehreren Fortbildungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Gera und Weida, arbeitet er seit November 2001 in einer Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe in der Elektromontage. Seit 1998 zeichnet er gelegentlich und seit Ende 1999 aktiv Cartoons und Comics. Seit 2001 präsentiert er seine Arbeiten im Internet und publiziert seit 2002 in diversen deutschen Literatur- und Comicfanzines wie z.B. „Plop" und „Caligo". Seit 2010 arbeitet er auch für das Magazin "Driesch". Online u.a. in www.raketa.at. Seit Juni 2011 Mitglied im Interessensverband Comic e.V. (ICOM). eckholz-karikaturen.jimdo.com

Gabriele Folz-Friedl, * 1952 in Stuttgart, aufgewachsen in Köln und Friedrichshafen am Bodensee. Besuch der Akademie der bildenden Künste Stuttgart; zeitweise in Sozialberufen tätig. Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der  Schweiz; seit 1986 Mitglied des Künstlerbundes März, Linz. Veröffentlichungen von Prosa und Lyrik in Anthologien; der Roman "Der Eisheilige" erschien im Frühjahr 2013 bei Driesch.

Doris Fürk-Hochradl * 1981 in Braunau am Inn. Nach der Matura absolvierte sie eine Lehre zur Masseurin und studierte anschließend an der Pädagogischen Hochschule in Linz. Sie arbeitet als Lehrerin, ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie im Bezirk Braunau/Oberösterreich. Im Bereich Jugendroman/Frauenunterhaltung wird sie von der Literaturagentur: Scriptzz/Berlin vertreten. Zahlreiche Beiträge in Anthologien sowie Literatur- und Kunstzeitschriften.

Maria Hammerich-Maier, Mag., * 1961, 1988 - 1995 sowie seit 2001 als Hochschullehrerin im Fremdsprachenbereich an österreichischen, tschechischen und deutschen Universitäten und Hochschulen tätig. 1990 - 1995: Geschäftsführerin des bilateralen staatlichen Förderprogramms für Hochschulkooperationen AKTION Österreich - Tschechische Republik. Publikationen: Hochschul- skriptum "Deutsch für das Bauingenieurwesen", Prag 1997 (2. Aufl.); "Wo sich Kulturen begegnen. Die Geschichte der tschechoslowakischen Juden" Prag 1994 (Übersetzung), sowie Fachaufsätze und Vorträge zur Sprachpolitik, Hochschulbildungspolitik, Fremdsprachendidaktik und soziologischen Entwicklung der Reformgesellschaften Mittel- und Osteuropas. Wissenschaftliche Assistentin am Fremdspracheninstitut der Wirtschaftshochschule der Skoda Auto AG in Mla dá Boleslav (Jungbunzlau), Nordböhmen. Arbeitet als Gerichtsdolmetscherin, Journalistin bei einem Radiosender in Prag und Schriftstellerin in Bayern und Prag.

Haimo L. Handl, Dr., * 1948 in Vorarlberg, lebt in Wien und im Weinviertel. Freiberuflicher Erwachsenenbildner, Publizist, Verleger. Studierte in Österreich und den USA, war zwei Jahrzehnte Universitätslektor für Kommunikationswissenschaft und Politikwissenschaft. Redakteur bei kultur-online.net, gab für 10 Jahre das Online-Magazin ZITIG heraus; Geschäftsführer von GLEICHGEWICHT und DRIESCH Verlag. Mitglied des Literaturkreises PODIUM und der Grazer Autorenversammlung.

Margit Heumann, * 1949 in Vorarlberg, verheiratet, zwei Töchter. Lebte mehrere Jahre in England und der Schweiz, über 30 Jahre in Deutschland und seit 2009 in Wien. Erste Veröffentlichungen im Vorarlberger Volkskalender und ORF. Freie Mitarbeiterin der Kinderzeitschrift Flohkiste. Eigener Islandpferdereitbetrieb mit Unterricht/Zucht/Beritt bis 2008. Mitglied einer Schreibwerkstatt, True-Story-Autorin, intensive Arbeit an literarischen Texten.   www.margitheumann.com

Peter Hodina, * 1963 in Salzburg. Lebt in Berlin und Salzburg. Zahlreiche Publikationen, zuletzt die Bücher: „Steine und Bausteine 1“; Avinus-Verlag, Berlin 2009, „Steine und Bausteine 2“, Avinus-Verlag, Berlin 2010; „Sternschnuppen über Hyrkanien“, Edition Art Science, Wien/St. Wolfgang 2012. Preisträger beim 6. Harder Literaturwettbewerb 2000. ‚Geschmolzener Apokalypso’ für Kleinkunst der „Versuchsstation für den Weltuntergang“ (Berlin Prenzlauer Berg) 2002. Rauriser Förderungspreis 2004. Seit 2007 Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV).

Romana Hostnig
, * 1952 in Dornbirn, aufgewachsen in Bregenz, Handelsschule, 1970 Übersiedelung nach Wien, 1978 erster Preis für Literatur zur Arbeitswelt, (publiziert im Europaverlag/Anthologie der Preisträger) Teilnahme an Literaturworkshops mit Max von der Grün, 1980 Hinwendung zur Malerei, 1995 Arbeitsstipendium für Sizilien, diverse Ausstellungen im In- und Ausland, 1999 Reise nach Südamerika, Beschäftigung mit indianischer Kultur, seit 2009 wieder in Wien wohnhaft.

Regine Koth Afzelius, * 1962, lebt und arbeitet in Wien und im Weinviertel. Sechs Fremdsprachen. Studierte Architekur in Århus (Dänemark) und an der Universität für angewandte Kunst Wien (Meisterklasse Wilhelm Holzbauer). 1997 Diplom. Seither als Webdesignerin selbständig (Schwerpunkt Künstler), arbeitet u. a. bei nextroom - architektur im netz. 2008 zog sie aufs Land, tritt mit dem Akkordeon auf, malt, philosophiert, gärtnert, schreibt. Derzeit an dem Roman 'Kadettenschach'. Veröffentlichungen: STERZ 107 (2013), DUM 69 (2014)

Rudolf Kraus, * 1961 in Wiener Neustadt (Niederösterreich). Aufgewachsen im nieder- österreichischen Bad Fischau-Brunn, lebt heute als Autor und Bibliothekar in Wien und Bad Fischau-Brunn. Mehrere Buchveröffentlichungen (Gedichte, Prosa, Literaturkritik). Jüngste Publikation: Worte kennen kein Gefühl. Prosa und Sprachminiaturen. Gosau [u.a.], 2010.  www.rudolfkraus.at

Ilse Krüger-Sklenicka, Mag. * 1939 in Zwettl geboren. Lebt seit 1946 in Wien. Bis 1995 kaufmännische Angestellte. Seit 1994 Studium in Psychologie. 2002 Abschluss des Studiums. Veröffentlichungen im ORF, in Literaturzeitschriften und zahlreichen Anthologien. „Unschuldige Kinder", Erzählungen, Edition aha, 1995; „Faltenkatzen", Erzählungen, Wiener Frauenverlag, 1995. Einige Literaturpreise.

Olaf Lahayne, Dr., * 1968, aufgewachsen in Niedersachsen, lebt der Autor seit 1997 in Wien, wo er als Wissenschaftler an der TU tätig ist. Nach dem Abschluss seiner Dissertation im Jahre 2008 veröffentlichte er eine Novelle und ca. 20 Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften.

Nicole Mahal, * 1968 in Wien, Studium der Germanistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Mitglied der AGA - Arbeitsgemeinschaft Autorinnen, des Vereins Literaturkreis Podium, Mitbegründerin des Labels violettsays (www.violettsays.at). Zahlreiche Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften. Buchveröffentlichung: „Ein Flügelschlag“, Kurzgeschichten, Arovell Verlag 2011. Ein neuer Kurzgeschichtenband erschein 2013 bei Arovell (Unter dem Konferenztisch).

Nicole Makarewicz, *1976 in Wien, Journalistin und Autorin, studierte Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Psychologie. Im Wiener Seifert Verlag erschienen 2009 ihr Roman „Tropfenweise“, 2010 ihr Erzählband „Jede Nacht“. Gewinnerin des „Forum Land Literaturpreises 2009“, der „12. Münchner Menülesung“. Zudem wurden ihr das Krimistipendium Tatort Töwerland 2012 sowie zwei Arbeitsstipendien Literatur (bm:ukk) zuerkannt. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien. www.nicolemakarewicz.com

Lisa Ndokwu, Mag., * 1965, Studium der Afrikawissenschaften, Soziologie und Philosophie an der Universität Wien, Veröffentlichungen in Anthologien, Literaturzeitschriften und auf www.afrikanet.info, lebt in Wien

Karin Peschka, * 1967 in Linz, aufgewachsen in Eferding, im Wirtshaus der Eltern. 1989 Geburt des Sohnes, 1995 Diplom an der Linzer Sozialakademie. Umzug nach Wien im Jahr 2000. Redaktionelle Arbeit und Projektmanagement, v.a. im Online-Bereich. Seit Jänner 2012 wieder Sozialarbeit (Teilzeit, Arbeit mit Maurerlehrlingen in integrativer Ausbildung) und verstärkter Fokus auf Autorinnentätigkeit. Diverse Publikationen im Lauf der Jahre. 2011 Preis der Jury für „Fräulein Luise oder der kleine Lärm“ (Schreibwerk Berlin). 2013 Literaturpreis Wartholz für „Watschenmann“. Derzeit Arbeit am Roman „Watschenmann“ (Herbst 2014, Otto Müller Verlag, Salzburg)

Alfred Pfabigan, Dr., Univ. Prof., * 1947 in Wien, lebt dort als Universitätsprofessor und Literaturkritiker; unterrichtet am Philosophischen Institut der Universität Wien und leitet die „Philosophische Praxis Märzstraße“, publizierte zuletzt: „Einzelteilchen aller Menschengehirne“ Subjekt und Subjektivität in Friederike Mayröckers Spätwerk, Hg. gem. mit Francoise Lartillot und Aurelie Le Nee, Aisthesis Verlag 2012;  Die andere Bibel mit Altem und Neuem Testament, 382 S, Vitolibro Malente, 2012. 2007 publizierte er „Karl Kraus und der Sozialismus“. Homepage Uni Wien

Amina El Rachidi, * 1994 in Wien, wo sie lebt.

Elfie Resch, * 1948,  Feministin, im Unruhestand. Aufgewachsen in Tribuswinkel, NÖ. Ausgewandert ins Burgenland, lebt in Wien. Schreibt seit den 80gern zum eigenen Vergnügen.  Artikel, Alltagsgeschichten und Sozialreportagen in Stimme der Frau, <sic>, AUF-einefrauenzeitschrift, Malmö abgedruckt. Seit März 2010 in der Gruppe "Neue Autorinnen"


Dominik Riedo, * 1974 in Luzern, lebt und arbeitet als Schriftsteller und Mitherausgeber von "Aufklärung und Kritik. Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie" in Bern. 14 Buchveröffentlichungen. Verschiedene Auszeichnungen, europaweite Auftritte (plus in Tokyo und New York). Von den Kulturschaffenden der Schweiz und der interessierten Bevölkerung direktdemokratisch zum Kulturminister der Schweiz ernannt (2007-2009). Präsident des DeutschSchweizer PEN Zentrums von 2010-2012 (bis heute zusätzlich Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und des PEN International). Lehrte 2004-2006 an der Universität Zürich. Sitzt im Stiftungsrat der Carl Spitteler-Stiftung Luzern. Gründungsmitglied von "Kunst + Politik". Initiant und Kurator des Projekts/Labels "Kulturhauptstadt der Schweiz".  http://www.dominikriedo.ch


Josef Rodr, * 1927 in Jižín, der Geburtsstadt von Karl Kraus, lebte in Hradec Králové. Neben publizistischer und belletristischer Prosa gestaltete er auch Hörfolgen für den Rundfunk. Josef Rodr verstarb 2007.


Wilhelm Schramm, * 1952 in Itzgrund, Deutschland, lebt in Bludenz, Vorarlberg. Büchermacher, Künstler und Galerist.   www.wilhelmschramm.com


Peter Schwendele, * 1965 im schwäbischen Teil Deutschlands. Lebt im südbadischen Schopfheim nahe der Grenze zur Schweiz und ist dort als Journalist bei der Tageszeitung Markgräfler Tagblatt tätig. Seine Kurzgeschichten erschienen bisher in den Literaturzeitschriften DUM, Entwürfe, Lichtungen, Driesch, Exot, Haller, Podium und Erostepost sowie in den Anthologien „Rosa ist das Grau der Optimisten“ zum 22. Würth-Literaturpreis 2011 und „Europa, wo hast du deinen Stier gelassen?“ zum Putlitzer-Preis 2013 (5. Platz).

Christian Schwetz, geb. 30.12.1962, lebt und arbeitet (als Steuerberater) in Wien. In den 80er Jahren war er neben dem BWL-Studium literarisch aktiv. Im Verlauf der Diplomarbeit „Die wirtschaftliche Lage der Schriftsteller in Österreich“ beschloss er, das Schreiben nicht zum Beruf zu machen und wurde Steuerberater. Gründungs- und Vorstandsmitglied von „DAS SPRECH - Initiative für Sprach-, Sprech- und Hörkunst“; langjährige Zusammenarbeit mit der Band „Novi Sad“. Jüngste Buchpublikation: „Mails & Love“; Roman; Arovell-Verlag, 2014

Helena Stanek-Neuwirth
, Mag., * 1970 Sokolov, studierte Sozialanthropologie und Sinologie in Wien und in China. Arbeitete zwei Jahre bei der UNESCO in Bangkok als Consultant. Seit drei Jahren ist sie freiberuflich als Übersetzerin in Wien tätig.

Friederike Stein, Biologin, * 1965, ist Mitbegründerin der Tübinger Autorengruppe »LiteRatten«. Ihre Kurzgeschichten, oft im Bereich der Phantastik angesiedelt, finden sich in verschiedenen Magazinen und Anthologien. 2013 erschienen u. a.: „Stets zu Diensten“ im Magazin »c't« 2/2013, „Schnipselfilm GmbH & Co. KG“ in der Anthologie »Schattennächte« (Sphera Verlag) sowie „Ex Vitro“ in: »Die Welt im Wasserglas« (Verlag p.machinery).

Johannes Tosin, Mag., * 1965 in Klagenfurt am Wörthersee. Maschinenbauingenieur und Exportkaufmann; schreibt Lyrik, Prosa und Hörspiele. Veröffentlichte Lyrik und Kurzprosa in Zeitschriften und Anthologien. 


Martin Winter, Mag., * 1966, Studium der Germanistik und Sinologie in Wien. Sprachlehrer und Übersetzer aus dem Chinesischen: Gedichte, Romane, Sachbücher.


Louis Christian Wolff, * 1958 in Berlin, Lehrer. Lebt in Berlin und Wien. Onlineprojekt 2004 in www.zitig.net/; 2010 in www.clyt.de

 
Wolfgang Wurm, * 1972 in München, lebt heute als Lehrer für Deutsch und Geschichte und Autor von Lyrik in Nürnberg. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften (seit 2003). Preisträger in den Literaturwettbewerben "Werte, Kultur und Wirklichkeiten" (2005) und "Mensch - Psyche - Natur" (2006). Ausgewählter Beitrag "Vienna. Eine Stadt für den Herbst. Zehn Gedichte" im fza-Werkstattpreis ("Wiener Werkstattpreis") 2007. Errang den 2. Preises in der Sparte Lyrik beim Literaturwettbewerb der Künstlergilde Esslingen 2012. Buchpublikation: "Süden im Sinn. Vierzig lyrische Reisebilder", Wiesenburg Verlag. Schweinfurt 2010. Gedichtband "Vergewisserung" (Wiesenburg Verlag, Schweinfurt, 2012).   

Sowie aus den excavations:

Karl Kraus, 28.4.1874 - 12.6.1936, österreichischer Publizist und Schriftsteller, Satiriker und Lyriker sowie Übersetzter und Rhetor. Gehört zu den schärfsten Kritikern der Presse und ist heute noch kontroversiell. Seine Zeitschrift "Die Fackel" erschien von April 1899 bis Februar 1936.

Nadeschda Jakowlewna Mandelstam
(30.10.1899-29.12.1980), russische Autorin, Frau des Dichters Ossip Mandelstam (15.1.1891-27.12.1938)

Friedrich Wilhelm Nietzsche, (15.10.1844-25.8.1900), deutscher Philosoph. 

 

 


Notizen und Hinweise:

 

Redensart:

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 


Friedrich Nietzsche:

Menschliches, Allzumenschliches I

71

D i e  H o f f n u n g. ‑ Pandora brachte das Fass mit den Uebeln und öffnete es. Es war das Geschenk der Götter an die Menschen, von Aussen ein schönes verführerisches Geschenk und "Glücksfass" zubenannt. Da flogen all die Uebel, lebendige beschwingte Wesen heraus: von da an schweifen sie nun herum und thun den Menschen Schaden bei Tag und Nacht. Ein einziges Uebel war noch nicht aus dem Fass herausgeschlüpft: da schlug Pandora nach Zeus' Willen den Deckel zu und so blieb es darin. Für immer hat der Mensch nun das Glücksfass im Hause und meint Wunder was für einen Schatz er in ihm habe; es steht ihm zu Diensten, er greift darnach: wenn es ihn gelüstet; denn er weiss nicht, dass jenes Fass, welches Pandora brachte, das Fass der Uebel war, und hält das zurückgebliebene Uebel für das grösste Glücksgut, ‑ es ist die Hoffnung. ‑ Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Uebel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu giebt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Uebel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.

 


Friedrich Hölderlin

An die Hoffnung



O Hoffnung! holde! gütiggeschäftige!
    Die du das Haus der Trauernden nicht verschmähst,
        Und gerne dienend, Edle, zwischen
            Sterblichen wartest und Himmelsmächten,

Wo bist du? wenig lebt' ich; doch atmet kalt
    Mein Abend schon. Und stille, den Schatten gleich,
        Bin ich schon hier; und schon gesanglos
            Schlummert das schaudernde Herz im Busen.

Im grünen Tale, dort, wo der frische Quell
    Vom Berge täglich rauscht, und die liebliche
        Zeitlose mir am Herbsttag aufblüht,
            Dort, in der Stille, du Holde, will ich

Dich suchen, oder wenn in der Mitternacht
    Das unsichtbare Leben im Haine wallt,
        Und über mir die immerfrohen
            Blumen, die blühenden Sterne glänzen,

O du des Äthers Tochter! erscheine dann
    Aus deines Vaters Gärten, und darfst du nicht,
        Ein Geist der Erde, kommen, schröck', o
            Schröcke mit anderem nur das Herz mir.

 


 

Das aber ist das epische, das eigentlich antikische Element in Hölderlins Wahnsinn. In dem Gedicht ›An die Hoffnung‹ heißt es: »Im grünen Tale, dort, wo der frische Quell / Vom Berge täglich rauscht und die liebliche / Zeitlose mir am Herbsttag aufblüht, / Dort, in der Stille, du holde, will ich / Dich suchen, oder wenn in der Mitternacht / Das unsichtbare Leben im Haine wallt, / Und über mir die immerfrohen / Blumen, die blühenden Sterne glänzen.« Das Oder, und häufig dann Partikeln bei Trakl, gleicht jenem homerischen Nämlich. Während die Sprache, um Sprache überhaupt zu bleiben, in solchen Wendungen urteilend noch Synthesis des Zusammenhangs der Dinge zu sein beansprucht, begibt sie in den Worten, deren Verwendung gerade den Zusammenhang auflöst, sich des Urteils. Die epische Verknüpfung, in der die Führung des Gedankens schließlich erschlafft, wird zur Gnade, die in der Sprache vorm Recht des Urteils ergeht, das sie doch unweigerlich bleibt. Gedankenflucht, die Opfergestalt der Rede, ist die Flucht der Sprache aus ihrem Gefängnis. Wenn bei Homer, wie Thomson besonders hervorhebt, die Metapher gegenüber dem Bedeuteten, der Handlung, Selbständigkeit gewinnt, so prägt darin die gleiche Feindschaft gegen die Gebundenheit der Sprache im Zusammenhang der Intentionen sich aus. Das sprachlich ausgeführte Bild vergißt an die eigene Bedeutung, um die Sprache selber ins Bild hineinzuziehen, anstatt das Bild durchsichtig zu machen auf den logischen Sinn des Zusammenhanges. In der großen Erzählung kehrt tendenziell das Verhältnis von Bild und Handlung sich um. Davon hat Goethes Technik in den ›Wahlverwandtschaften‹ und den ›Wanderjahren‹, wo bildchenhafte, intermittierende Novellen das Wesen des Dargestellten reflektieren, Zeugnis abgelegt, und Homer-Allegoresen von der Art der berühmten Schellingschen Formel von der Odyssee des Geistes haben das Gleiche geahnt. Nicht daß die Epen von allegorischer Absicht diktiert wären. Aber die Gewalt der geschichtlichen Tendenz in Sprache und Sachgehalt ist in ihnen so groß, daß im Lauf des Prozesses zwischen Subjektivität und Mythologie Menschen und Dinge vermöge der Blindheit, mit der das Epos ihrer Darstellung sich überläßt, in bloße Schauplätze sich verwandeln, über denen jene Tendenz sichtbar wird, gerade dort, wo der pragmatische und sprachliche Zusammenhang brüchig sich zeigt.

Theodor W. Adorno: Noten zur Literatur: Über epische Naivetät.

 

Es geht nicht um die Kultur als Wert, wie die Kritiker der Zivilisation, Huxley, Jaspers, Ortega y Gasset und andere, im Sinn haben, sondern die Aufklärung muß sich auf sich selbst besinnen, wenn die Menschen nicht vollends verraten werden sollen. Nicht um die Konservierung der Vergangenheit, sondern um die Einlösung der vergangenen Hoffnung ist es zu tun. Heute aber setzt die Vergangenheit sich fort als Zerstörung der Vergangenheit. War die respektable Bildung bis zum neunzehnten Jahrhundert ein Privileg, bezahlt mit gesteigerten Leiden der Bildungslosen, so ist im zwanzigsten der hygienische Fabrikraum durch Einschmelzen alles Kulturellen im gigantischen Tiegel erkauft. Das wäre vielleicht nicht einmal ein so hoher Preis, wie jene Verteidiger der Kultur glauben, trüge nicht der Ausverkauf der Kultur dazu bei, die ökonomischen Errungenschaften in ihr Gegenteil zu verkehren.

Max Horkheimer / Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung: Vorrede.

 

Am Ende ist Hoffnung, wie sie der Wirklichkeit sich entringt, indem sie diese negiert, die einzige Gestalt, in der Wahrheit erscheint. Ohne Hoffnung wäre die Idee der Wahrheit kaum nur zu denken, und es ist die kardinale Unwahrheit, das als schlecht erkannte Dasein für die Wahrheit auszugeben, nur weil es einmal erkannt ward. Hier viel eher als im Gegenteil liegt das Verbrechen der Theologie, gegen das Nietzsche den Prozeß anstrengte, ohne je zur letzten Instanz zu gelangen.

Theodor W. Adorno:  Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Berufungsinstanz.

 

Was wäre Hoffnung ohne Ferne? Humanität war das Bewußtsein von der Gegenwart des Nichtgegenwärtigen, und das verflüchtigt sich in einem Zustand, der allem Nichtgegenwärtigen zum handfesten Schein von Gegenwart und Unmittelbarkeit verhilft und darum bloß Hohn hat für das, was an solchem Schein nicht sein Genügen findet. Angesichts der pragmatischen Unmöglichkeit des Abschieds jedoch auf seiner inneren Möglichkeit zu beharren, wäre die Lüge, denn das Inwendige entfaltet sich nicht in sich selber, sondern einzig in der Beziehung auf die Objektivität, und »Verinnerlichung« eines verfallenen Auswendigen tut dem Innerlichen selber Gewalt an, indem es gleichsam von der eigenen Flamme zehren muß.

Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Les Adieux.

 

Auf die Frage, ob er ein Nihilist sei, hätte ein Denkender mit Wahrheit wohl zu antworten: zu wenig, vielleicht aus Kälte, weil seine Sympathie mit dem, was leidet, zu gering ist. Im Nichts kulminiert die Abstraktion, und das Abstrakte ist das Verworfene. Beckett hat auf die Situation des Konzentrationslagers, die er nicht nennt, als läge über ihr Bilderverbot, so reagiert, wie es allein ansteht. Was ist, sei wie das Konzentrationslager. Einmal spricht er von lebenslanger Todesstrafe. Als einzige Hoffnung dämmert, daß nichts mehr sei. Auch die verwirft er. Aus dem Spalt der Inkonsequenz, der damit sich bildet, tritt die Bilderwelt des Nichts als Etwas hervor, die seine Dichtung festhält. Im Erbe von Handlung darin, dem scheinbar stoischen Weitermachen, wird aber lautlos geschrien, daß es anders sein soll. Solcher Nihilismus impliziert das Gegenteil der Identifikation mit dem Nichts. Gnostisch ist ihm die geschaffene Welt die radikal böse und ihre Verneinung die Möglichkeit einer anderen, noch nicht seienden. Solange die Welt ist, wie sie ist, ähneln alle Bilder von Versöhnung, Frieden und Ruhe dem des Todes.

Theodor W. Adorno: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Dritter Teil: Modelle.

 

Es hat sich verschärft: Hoffnung auch nur zu denken, frevelt an ihr und arbeitet ihr entgegen.

Theodor W. Adorno: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Dritter Teil: Modelle.

 

Theologie hielt der im falschen und unerfüllten Leben unerträglichen Vergänglichkeit des Menschen die Hoffnung aufs ewige entgegen. Diese verschwindet im Lob von Vergänglichkeit als Absolutem, zu dem freilich schon Hegel sich herbeiließ. Leid, Übel und Tod seien, wie es im Jargon heißt, anzunehmen: nicht zu ändern. Dem Publikum wird das äquilibristische Kunststück eingeübt, Nichtigkeit als Sein sich zurechtzulegen; real vermeidbare oder wenigstens korrigible Not als Menschlichstes des Menschenbildes zu ehren; um eingeborener menschlicher Unzulänglichkeit willen Autorität als solche zu achten.


Theodor W. Adorno: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit: Jargon der Eigentlichkeit.

 

 

Ist Affirmation tatsächlich ein Moment von Kunst, so war selbst sie so wenig je durchaus falsch wie die Kultur, weil sie mißlang, ganz falsch ist. Sie dämmt Barbarei, das Schlimmere, ein; unterdrückt Natur nicht nur, sondern bewahrt sie durch ihre Unterdrückung hindurch; in dem vom Ackerbau entlehnten Begriff der Kultur schwingt das mit. Leben hat sich, auch mit dem Prospekt eines richtigen, durch Kultur perpetuiert; in authentischen Kunstwerken hallt das Echo davon wider. Affirmation hüllt nicht das Bestehende in Gloriolen; sie wehrt sich gegen den Tod, das Telos aller Herrschaft, in Sympathie mit dem, was ist. Nicht um weniger ist daran zu zweifeln als um den Preis, daß Tod selber Hoffnung sei.

Theodor W. Adorno: Ästhetische Theorie: Ästhetische Theorie.

 

Es bleibt die Frage, ob nicht Liebe, die den Zirkel der herrschenden Tauschverhältnisse transzendiert, notwendig jenen Zusatz von Hoffnungslosigkeit enthält, den die Revisionisten austreiben wollen. Vielleicht ist Freuds Menschenfeindlichkeit nichts anderes als solche hoffnungslose Liebe und der einzige Ausdruck von Hoffnung, der noch bleibt.
Theodor W. Adorno: Soziologische Schriften I: Die revidierte Psychoanalyse. 

 

Fraglos ist in der Idee der Bildung notwendig die eines Zustands der Menschheit ohne Status und Übervorteilung postuliert, und sobald sie davon etwas sich abmarkten läßt und sich in die Praxis der als gesellschaftlich nützliche Arbeit honorierten partikularen Zwecke verstrickt, frevelt sie an sich selbst. Aber sie wird nicht minder schuldig durch ihre Reinheit; diese zur Ideologie. Soweit in der Bildungsidee zweckhafte Momente mitklingen, sollten sie ihr zufolge allenfalls die Einzelnen dazu befähigen, in einer vernünftigen Gesellschaft als vernünftige, in einer freien Gesellschaft als freie sich zu bewähren, und eben das soll, nach liberalistischem Modell, dann am besten gelingen, wenn jeder für sich selber gebildet ist. Je weniger die gesellschaftlichen Verhältnisse, zumal die ökonomischen Differenzen dies Versprechen einlösen, um so strenger wird der Gedanke an die Zweckbeziehung von Bildung verpönt. Nicht darf an die Wunde gerührt werden, daß Bildung allein die vernünftige Gesellschaft nicht garantiert. Man verbeißt sich in die von Anbeginn trügende Hoffnung, jene könne von sich aus den Menschen geben, was die Realität ihnen versagt. Der Traum der Bildung, Freiheit vom Diktat der Mittel, der sturen und kargen Nützlichkeit, wird verfälscht zur Apologie der Welt, die nach jenem Diktat eingerichtet ist.


Theodor W. Adorno: Soziologische Schriften I: Theorie der Halbbildung.

 

Die dialektischen Bilder des Surrealismus sind solche einer Dialektik der subjektiven Freiheit im Stande objektiver Unfreiheit. In ihnen erstarrt der europäische Weltschmerz gleich der Niobe, die ihre Kinder verlor; in ihnen schleudert die bürgerliche Gesellschaft die Hoffnung auf ihr Überleben von sich. Kaum zu vermuten, daß einer der Surrealisten die Hegelsche Phänomenologie kannte, aber ein Satz daraus, den man zusammendenken muß mit dem allgemeineren von der Geschichte als dem Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit, definiert den surrealistischen Gehalt. »Das einzige Werk und Tat der allgemeinen Freiheit ist daher der Tod, und zwar ein Tod, der keinen inneren Umfang und Erfüllung hat.« Die darin gegebene Kritik hat der Surrealismus zur eigenen Sache gemacht; das erklärt seine politischen Impulse wider die Anarchie, die doch wieder mit jenem Gehalt unvereinbar waren. Man hat von dem Hegelschen Satz gesagt, in ihm hebe die Aufklärung sich durch ihre eigene Verwirklichung auf; um keinen geringeren Preis, nicht als eine Sprache der Unmittelbarkeit, sondern als Zeugnis des Rückschlags der abstrakten Freiheit in die Vormacht der Dinge und damit in bloße Natur wird man den Surrealismus begreifen dürfen. Seine Montagen sind die wahren Stilleben. Indem sie Veraltetes auskomponieren, schaffen sie nature morte.


Theodor W. Adorno: Noten zur Literatur: Rückblickend auf den Surrealismus.

 

Hoffnung ist nicht die festgehaltene Erinnerung sondern die Wiederkunft des Vergessenen.


Theoder W. Adorno: Noten zur Literatur: Zur Schlußszene des Faust.

 

Was die Kultur ereilt, enthüllt sie als das, worüber sie noch nicht hinauskam, bloße Naturgeschichte. Valéry verifiziert den Satz Kafkas, ein Fortschritt habe noch gar nicht angefangen.
    Das wirft Licht auf seine Lehre von der Zeit. Sie weist unmittelbar auf Baudelaire zurück, den Kultus des Todes als le Nouveau, als des schlechthin Unbekannten, der einzigen Zuflucht des spleen, der die Vergangenheit verlor und dem der Fortschritt den Makel der Immergleichheit trägt. Mit Kierkegaardscher Paradoxie vermummt die Utopie sich in das X: »Man rettet sich in das Unbekannte. Man verbirgt sich in ihm vor dem Bekannten. Das Unbekannte ist die Hoffnung der Hoffnung. Im Unbestimmten hätte das Denken ein Ende. Die Hoffnung ist jener innerste Akt, der Unwissenheit schafft, die Mauer zur Wolke wandelt, – und kein Skeptiker, kein Zweifler zerstört Urteil und Vernunft, Evidenz und Wahrscheinlichkeit, wie dieser rasende Dämon Hoffnung.« (W 27) Aber noch diese wolkige Stelle wird von Valéry zerdacht. Er bestimmt sie als Augenblick, als einzig Erfülltes; als das Differential, das die verlorene Vergangenheit und die hoffnungslose Zukunft um ein Geringes überragt. Valérys Passion für den Impressionismus gilt der Verewigung des Augenblicks in künstlerischen Verfahrungsweisen, die zur obersten Tugend des Geistes Geistesgegenwart erheben: »Das Genie hängt an einem Augenblick. Liebe entsteht auf einen Blick; und ein Blick genügt, ewigen Haß zu erzeugen. Und wir sind nichts, wenn wir nicht imstande waren und imstande wären, einen Augenblick außer uns zu sein.« (W 28) Das äußerste Gegenbild dieser Idee ist der bürgerliche Begriff der abstrakten Arbeitszeit, nach der die Waren sich tauschen lassen. Idiosynkratisch sträubt Valéry sich gegen das Heraufdämmern eines Zeitalters ohne Zeit: »Die Meinung ›Zeit ist Geld‹ ist der Gipfel der Gemeinheit. Zeit ist Reifung, Einteilung, Ordnung, Vollendung. Die Zeit schafft den Wein und die Güte des Weins, solcher Weine, die sich langsam verändern und die man trinken soll, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, wie eine Frau eines bestimmten Typus ihr Alter hat, das man abwarten muß, oder nicht verpassen darf, um sie zu lieben. Dieselben großen Nationen, denen der verfeinerte Sinn fehlt für die reiche Zusammensetzung der Weine, für das verborgene Gleichgewicht ihrer Qualitäten, für die Jahre, die sie brauchen und für die, die für sie ausreichen, haben auch jene unmenschliche ›Zeitgleichung‹ eingeführt und der Welt aufgenötigt. Ihnen fehlt auch der Sinn für Frauen und für die Nuancen der Frauen.« (W 28f.) Eindringlicheres ist selten zur Verteidigung des verurteilten Europa gesagt worden. Zeitbewußtsein konstituiert sich zwischen den Polen der Dauer und des hic et nunc; was droht, kennt beides nicht mehr, die Dauer wird kassiert, das Jetzt vertauschbar, fungibel. Dem wirft Valéry, Enkel von Baudelaires vieux capitaine, als heroisch Scheiternder sich entgegen: »Der Geist verabscheut die unendliche Wiederkehr, und nun grüßen ihn die Wellen, die untergehen werden, den ganzen Tag ...« (W 81) Solchem Geist wird Sonnenuntergang zur Baudelaireschen Allegorie seines eigenen: »Das Gefühl einer Enthauptung liegt in der Tiefe, die dieser Dauer innewohnt. Langsam fällt das Haupt dieses Tages. Die Scheibe ertrinkt.« (a.a.O.)
    Todverfallener Geist sympathisiert mit dem Stofflichen, nicht selber Geistigen mitten im Geist. In einem Materialismus zweiten Grades trifft Valéry sich mit Walter Benjamin, dessen Ästhetik mehr wohl von ihm lernte als von irgendeinem anderen. Ihm sind die Stoffe Gegengift gegen den sich selbst zerstörenden Geist, den er ohnehin, wie Nietzsche, als »Schallverstärker« beargwöhnt, ...


Theodor W. Adorno:  Noten zur Literatur: Valérys Abweichungen.

 

In der Iphigenie erscheint Hoffnung, wie an entscheidender Stelle der Wahlverwandtschaften, nicht als menschliches Gefühl sondern als Gestirn, das der Menschheit aufgeht: »Nur stille, liebes Herz, / Und laß dem Stern der Hoffnung, der uns blinkt, / Mit frohem Mut uns klug entgegensteuern.« (923–925) Hoffnung gebietet dem Machen, Herstellen Einhalt, ohne das sie doch nicht ist. So wird sie in der Dichtung desultorisch nur angerufen. In der Kunst der Epoche hat sie ihre Stätte in der großen Musik, in Beethovens Leonorenarie und in Augenblicken mancher Adagiosätze wie dem des ersten Rasumoffsky- Quartetts, beredt über alle Worte hinaus. Jenseits des Mythos ist nicht der optische, gegegenständliche Goethe, bis zum Ende des Faust Komplize der Herrschaft über Natur; wohl aber ein passivischer, nicht länger willig zu jener Tat, die da am Anfang soll gewesen sein, Erstes, nicht das Letzte. Dieser Goethe erst verkörpert den Einspruch gegen den Klassizismus, der, als sollte es nicht sein, schließlich doch die Partei des Mythos ergreift. Auf seiner obersten Erhebung erreicht das Goethesche Werk den Indifferenzpunkt von Aufklärung mit einer heterodoxen Theologie, in der Aufklärung sich auf sich selbst besinnt, und die errettet wird, indem sie in Aufklärung verschwindet.


Theodor W. Adorno: Noten zur Literatur: Zum Klassizismus von Goethes Iphigenie.


 

Ernst Bloch - Der Utopist - Der Hoffnungsdenker, der auch als Stalinist hoffnungsfroh war, der säuselte und wortgewaltig jargonierte, hat das Schlüsselwerk der Epoche der Hoffnung geschrieben:

Das Prinzip Hoffnung ist das Hauptwerk des deutschen Philosophen Ernst Bloch (1885–1977). Geschrieben wurde es zwischen 1938 und 1947 im US-amerikanischen Exil. Ursprünglich sollte es „The dreams of a better life“ heißen. Es erschien in den Jahren 1954 bis 1959 in der DDR. Seither ist der Begriff „Prinzip Hoffnung“ zu einem geflügelten Wort in den deutschen Feuilletons geworden.

 


Wir wollen nicht ohne Hoffnung leben.

Hans Mayer, Wien 1992 (bei der Matinée zu seinem 85. Geburtstag im Wiener Akademietheater)
 

 
Beethoven - An die Hoffnung, Op.32
(Dietrich Fisher-Dieskau, Bariton,  Jörg Demus, Klavier)

 
 
Rako - Endstation Hoffnung




Ernst Bloch: Über die Hoffnung
Vortrag aus dem Jahre 1961, Audiofassung
 
 
 

 
Unser Dossier zu Karl Kraus soll im Gedenken seines 140. Geburtstages seine nach wie vor umstrittene Rolle näher beleuchten:
 
  • thumb_kraus-heine-reihe-220-vorderseite_rgbKarl Kraus
  • Heine
    Herausgegeben und zusammengestellt von Haimo L. Handl
    Illustrationen von Robert Petschinka
  • Driesch Reihe # 4
    Format 21 x 21 cm, ca. 50 Seiten, Klebebindung,
    € 5,00
    Driesch Verlag, Drösing 2014
    ISBN 978-3-902787-26-2

 

Erscheint Ende März 2014

 

 
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